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NS "Euthanasie"

Annas Geschichte

Ännes letzte Reise

Stolperstein

Erinnerungsarbeit

Namensnennung

Patientenakten

Bedburg-Hau

Fotos Grafeneck 2006

"Aktion T4" Berlin

Runder Tisch "T4"

Archiv

Fotos "T4" Ort 2006

Wettbewerb "T4" 2012

Erinnerungsort 2014

"AKTION T4" TIERGARTENSTRASSE 4

 

Erinnerungsort Tiergartenstrasse 4

Gedenkveranstaltung 2008


Ausstellung Tiergartenstrasse 4 Tiergartenstraße 4 in Berlin - das war der Ort, an dem die geheime Zentraldienststelle der Nationalsozialisten stand, wo die systematische Massentötung psychisch kranker und geistig behinderter Menschen unter der beschönigenden Überschrift „Euthanasie" geplant und organisiert wurde.

Mehr als 70.000 Patienten und Patientinnen aus Heil- und Pflegeanstalten fielen zwischen 1940 und 1941 der ersten zentral organisierten Massenvernichtungsaktion im Nationalsozialismus - der geheimen „Aktion T4“ - zum Opfer. Nach Protesten aus der Bevölkerung, vor allem aus Kreisen der Kirche, wurde die Aktion zwar offiziell im Sommer 1941 beendet, aber danach dezentral weitergeführt. Nach derzeitigem Forschungsstand wurden bis Kriegsende etwa 300.000 Patientinnen und Patienten durch Gas, Medikamente, Nahrungsentzug oder Injektionen getötet.

In den Gaskammern von Bernburg, Brandenburg, Grafeneck, Hadamar, Hartheim und Pirna-Sonnenstein erprobten die Täter erstmals ihre systematische, fabrikmäßige Tötungstechnologie. Heute wissen wir, dass es von den „Euthanasie“ Verbrechen eine direkte Verbindung zum Holocaust, der Auslöschung der Juden Europas gibt.

Der Weg zum zentralen Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde 

"T4" Gedenkstätte mehr Fotos vom Gedenkort 2007 »

© Fotos Janna Falkenstein     

Gedenkort Tiergartenstrasse 4 (Text 2006) Die Medizinverbrechen der Nazis wurden in Deutschland jahrzehntelang verdrängt und verschwiegen und sind bis heute noch nicht im breiten Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert. Mehr als 70 Jahre nach den Verbrechen ist der Gedenkort an der Philharmonie heute ein eher trostloser Ort. Die ebenerdige, unscheinbare Gedenktafel für die „Euthanasie" Opfer wird von vielen Passanten kaum bemerkt und die nachträglich den Opfern gewidmete Plastik "Berlin Junction" von Richard Serra wird häufig eher als Kunst am Bau wahrgenommen.

Diese Art des Gedenkens an einem für die Geschichte der „Euthanasie" so zentralen Ort wird nicht nur von mir als unangemessen empfunden. Nachdem ich im Herbst 2006 zum ersten Mal den Gedenkort (auf)gesucht hatte, veröffentlichte ich hier Fotos »  sowie die Forderung nach einer Neugestaltung der Gedenkstätte. Parallel dazu schrieb ich Briefe und Petitionen, auch an das Berliner Abgeordnetenhaus und den Deutschen Bundestag.

Runder Tisch bei der Stiftung Topographie des Terrors
Überlegungen und Initiativen zur Umgestaltung des 'T4'-Gedenkortes

Topographie des Terrors BerlinEine entscheidende Rolle für die weitere Entwicklung spielte Prof. Nachama von der Stiftung Topographie des Terrors. Er reagierte umgehend auf mein Schreiben und wir initiierten zu Beginn des Jahres 2007 gemeinsam einen Runden Tisch mit Betroffenen, engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Einrichtungen und zuständiger Behörden. Der Runde Tisch trifft sich als offener Gesprächskreis in Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in unregelmäßigen Abständen in den Räumen der Stiftung Topographie des Terrors. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf den aktuellen Missstand an der Tiergartenstraße aufmerksam zu machen und die Diskussion um eine angemessene Neugestaltung des Gedenkortes im Rahmen der städtebaulichen Umgestaltung des Kulturforums voranzutreiben. Insbesondere die Unterstützung der Berliner Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten in Person des Kulturstaatssekretärs André Schmitz ermöglichte verschiedene Projekte des Runden Tisches, die den historischen Ort "Tiergartenstraße 4" deutlicher sichtbar machten (z. B. Denkmal der Grauen Busse, Informationstafel, Markierung des Grundrisses). Ziel ist aber nicht ein abstraktes Denkmal mit Symbolcharakter. Es geht vielmehr um einen Gedenkort, der durch Aufklärung und Information zur Auseinandersetzung mit der Geschichte vor und nach 1945 beiträgt. 

Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-MordeWeitere Informationen über die Aktivitäten des Runden Tisches von 2007 bis 2014 auf dem Weg zum zentralen Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde

(links) der neue Erinnerungsort 2014 

ANDERE INITIATIVEN

Gedenktafel in der Tiergartenstraße 4 (1989)

Gedenktafel Tiergartenstrasse 4Es ist bürgerschaftlichem Engagement zu verdanken, dass es in den 80er Jahren nach jahrzehntelanger Nichtbeachtung überhaupt zu einer - wenn auch aus heutiger (Stand 2010) Sicht nicht ausreichenden - Markierung des historischen Ortes Tiergartenstraße 4 kam. Eine wichtige Grundlage dafür war das 1987 erschienene Buch des Historikers Götz Aly über die „T4“-Zentrale.

Der Text auf der Gedenktafel wurde von Götz Aly und Klaus Hartung entworfen, die den Gedenkort zusammen mit der Westberliner Geschichtswerkstatt gegen viele Widerstände durchsetzten. Siehe auch: Virtuelle Ausstellung von Götz Aly

 

Text auf der Gedenktafel

Ehre den vergessenen Opfern

An dieser Stelle, in der Tiergartenstraße 4, wurde ab 1940 der erste nationalsozialistische Massenmord organisiert, genannt nach dieser Adresse Aktion T4.

Von 1939 bis 1945 wurden fast 200.000 wehrlose Menschen umgebracht. Ihr Leben wurde als "lebensunwert" bezeichnet, ihre Ermordung hieß "Euthanasie". Sie starben in den Gaskammern von Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar. Sie starben durch Exekutionskommandos, durch geplanten Hunger und Gift.

Die Täter waren Wissenschaftler, Ärzte, Pfleger, Angehörige der Justiz, der Polizei, der Gesundheits- und Arbeitsverwaltungen.

Die Opfer waren arm, verzweifelt, aufsässig oder hilfsbedürftig. Sie kamen aus psychiatrischen Kliniken und Kinderkrankenhäusern, aus Altenheimen und Fürsorgeanstalten, aus Lazaretten und Lagern.

Die Zahl der Opfer ist groß, gering die Zahl der verurteilten Täter.

Haltestellenprojekt

Ronnie Golz HaltestellenprojektAuch Initiativen anderer haben immer wieder geholfen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema NS-„Euthanasie“ zu lenken. So hat Ronnie Golz, ein Mitglied des Runden Tisches, in Kooperation mit einer führenden Firma für Plakatwände und Stadtmöbel mit dem Haltestellenprojekt „‚Aktion T4‘ und der Holocaust“ auf den Zusammenhang des Mordprogramms an den Kranken mit dem späteren Genozid an den europäischen Juden verwiesen. Am 25. Oktober 2007 wurden in den beiden Haltstellen an der Philharmonie Glasplatten mit Informationen der Öffentlichkeit übergeben.

"Aktion T4" und der Holocaust

Markierung des Grundrisses

Tiergartenstrasse 4 Um den, teilweise von der Philharmonie und dem ehemaligen Busendbahnhof überlagerten, exakten Grundriss der ehemaligen Stadtvilla in der Tiergartenstraße 4 sichtbar zu machen, wurde durch Vermittlung von Reinald Purmann, Vertreter des Paritätischen Berlin, und vom "Bündnis Blaues Kamel" (Berliner Aktionsbündnis für Menschen mit Behinderungen) ein Projekt mit Auszubildenden des zweiten Lehrjahrs Vermessungstechnik der Knobelsdorff-Schule angestoßen. Sie ermittelten den historischen Grundriss der Stadtvilla markierten ihn (exklusive des Bereichs innerhalb der Philharmonie) am 24. April 2008 mit blauem Klebeband.  siehe Tatort: Kulturforum

Gedenkveranstaltungen

Gedenktafel 2012

Gedenkveranstaltung Tiergartenstrasse 4Auf Initiative des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V. und des „Aktionskreises 'T4'-Opfer nicht vergessen“ (ein Zusammenschluss namhafter Verbände und Organisationen der bundesdeutschen Psychiatrie) findet seit 2007 an jedem ersten Sonnabend im September eine „Mahn- und Gedenkveranstaltung für die Opfer der Erbgesundheitsgesetze des Nationalsozialismus“ statt.

Seit 2010, dem Amtsantritt des Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen Hubert Hüppe, findet  jährlich am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, eine Gedenkveranstaltung statt.

Auch Mitglieder des Runden Tisches zur T4 beteiligen sich an den Gedenkveranstaltungen.

Ausstellungen

Temporäre Ausstellung Berlin Tiergartenstrasse 4Anna Lehnkering Vom 5. Mai bis Ende August 2014 wurde im Rahmen des Berliner Themenjahres "Zerstörte Vielfalt" die Open-Air Ausstellung "Tiergartenstraße 4 - Geschichte eines schwierigen Ortes" gezeigt. Die Ausstellung verknüpft die Geschichte der Adresse Tiergartenstraße 4 und die bürokratische Organisation des Krankenmordes in der Villa mit dem Lebensweg von Anna Lehnkering.

Begleitband zur Ausstellung

Eine sehenswerte Ausstellung: „TOTGESCHWIEGEN, 1933 – 1945.
Zur Geschichte der Wittenauer Heilstätten“ auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf 
zur Website

Auch die offizielle deutsche Ärzteschaft bekennt sich mittlerweile zu ihrer Verantwortung. Die veränderte Haltung wird sichtbar in verschiedenen Ausstellungen.

  • Die Ausstellung Im Gedenken der Kinder - Die Kinderärzte u. die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit (Deutsche Gesellschaft f. Kinder- u. Jugendmedizin e.V.)  zur Website

  • Erfasst, verfolgt, vernichtet“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)  zur Website

Bereits 2009 hat das Jüdische Museum Berlin die vom US Holocaust Memorial Museum konzipierte, bereits im Hygiene Museum Dresden gezeigte, Ausstellung "Tödliche Medizin" präsentiert.

So wie an anderen Orten in Deutschland gibt es auch in Berlin zahlreiche Gedenkprojekte, die überwiegend durch die Initiative von Einzelpersonen zustande kamen. Ein Beispiel von vielen: das Engagement von Irmela Orland

siehe Freundeskreis Alter Friedhof


Vertiefende Informationen zum Erinnerungsort


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