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Gedenk- und Informationsort  
für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde

Tiergartenstraße 4 - Berlin

Euthanasie Erinnerungsort an der Tiergartenstrasse 4

© Fotos (wenn nicht anders angegeben) Sigrid Falkenstein / Tim Schwiesau


2. September 2014 - Eröffnung des Erinnerungsortes an der Tiergartenstraße 4

Welch ein bewegender und denkwürdiger Tag! Fast auf den Tag genau 75 Jahre nach Hitlers „Euthanasie"-Erlass wurde am historischen Ort Tiergartenstraße 4 in Berlin der zentrale Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Am historischen Ort, an dem die systematische Massentötung von psychisch kranken, geistig und körperlich behinderten, sowie »rassisch« und sozial unerwünschten Menschen geplant und organisiert wurde, wird der Opfer gedacht und zugleich über die Geschichte der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde mit ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein informiert.

    Verneigung vor den Opfern 

Erinnerungsort Tiergartenstrasse 4

Andreas Nachama und Uwe Neumärker

Rechts: Prof. Dr. Andreas Nachama (ehemaliger Direktor der Stiftung Topographie des Terrors und Uwe Neumärker (Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas) Danke! Ohne sie gäbe es den Erinnerungsort vermutlich nicht.

 

Der Runde Tisch zur Tiergartenstraße 4

2007 hatte Professor Nachama von der Stiftung Topographie des Terrors mit mir gemeinsam einen Runden Tisch initiiert. In den Folgejahren gelang es durch politische und gesellschaftliche Überzeugungs- und Öffentlichkeitsarbeit den historischen Ort „Tiergartenstraße 4" deutlicher sichtbar machen und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Am 10. November 2011 beschloss der Deutsche Bundestag, einen zentralen "Gedenk- und Informationsort für die Opfer der NS-"Euthanasie"-Morde" auf dem historischen Areal Tiergartenstraße 4 zu errichten.

Seit 2014 - Ein Ort des Gedenkens und der Information

Tiergartenstrasse 4

Eroeffnung Erinnerungsort Tiergartenstrasse 4

 

2014 - welche Veränderung! Auf Straßenschildern der Umgebung wird auf den Erinnerungsort hingewiesen. Die ehemalige Busendhaltestelle an der Philharmonie ist verschwunden. Stattdessen ist auf dem historischen Areal ein künstlerisch gestalteter Gedenkort entstanden. Er wird begleitet von einer Freiluftausstellung, die über die Geschichte der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde mit ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein informiert. Eine Grünfläche rahmt den Erinnerungsort ein. Die Gedenktafel wurde in das Gesamtensemble integriert, und auch die Serra Skulptur steht noch da. Neu sind drei von der Tiergartenstraße zur Philharmonie verlaufende Elemente. Sie gliedern den Ort: in der Mitte eine 24 Meter lange und 2,6 Meter hohe halbtransparente blaue Glaswand, links davon eine lange Sitzbank aus Beton und auf der rechten Seite ein lang gestrecktes Pult als Informationsträger für eine Open-Air-Dokumentation. Es gibt Medienstationen mit Video- und Audiomaterial. Die Angebote richten sich an Menschen mit Seh- bzw. Hörbeeinträchtigungen oder Lernschwierigkeiten. Alle Texte werden in leichter Sprache und in Englisch präsentiert. Die Ausstellung wird außerdem durch eine Online-Präsentation und verschiedene Kataloge ergänzt.

Informationspult Tiergartenstrasse 4

Informationspult

 

Gedenktafel

 

Erinnern heißt gedenken und informieren

Die historischen Inhalte für die Ausstellung wurden im Rahmen des von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Erkenntnistransfer-ProjektesErinnern heißt gedenken und informieren" von Historikern der TU München in Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors erarbeitet. In die Planung des Ausstellungskonzeptes waren Angehörige von Opfern, Vertreter/innen von Betroffeneninitiativen und nicht zuletzt der Runde Tisch einbezogen.  https://t4-denkmal.de/

 

Anna Lehnkering - eine von zehn Kurzbiografien

In der Ausstellung werden unter anderem zehn Kurzbiographien von Opfern der NS-„Euthanasie" vorgestellt. Sie stehen exemplarisch für Hunderttausende Opfer der ersten zentral organisierten Massenvernichtungsaktion und Zwangssterilisationen während der Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Namen sind Wilhelm, Ilze, Irmgard, Wilhelmine, Karl, Mary, Grigorij, Fjodor, Martin und Anna.

Eine der zehn Biografien ist die meiner Tante Anna Lehnkering. Ich empfinde das als einen Akt später Gerechtigkeit - an der Tiergartenstraße 4, am Ort der Täter, wird Anna Gesicht und Namen und wenigstens symbolisch etwas von ihrer Identität und Würde zurückgegeben.

Am Tag der feierlichen Eröffnung habe ich an Anna erinnert, aber nicht nur an sie. "Dies ist heute ein Tag gegen das Vergessen, ein Tag der Erinnerung, ein Tag des Gedenkens nicht nur an Anna sondern an alle Menschen, die ihr Schicksal teilten - darunter unzählige immer noch vergessene und namenlose Opfer. Mehr als siebzig Jahre nach den Verbrechen schulden wir ihnen endlich einen Platz im Gedächtnis unserer Familien, im kollektiven Gedächtnis unseres Landes.gesamter Redebeitrag »

 Annas Biografie

Annas Biografie

Annas Spuren

Besucher am Gedenkort

Reaktion einer Besucherin des Gedenkortes

"The short description and photo of Anna, which touched me so deeply."

Gedenkort und Lernort

Als ich 2014 anlässlich der Eröffnung am Rednerpult in der Philharmonie stand, habe ich drei Wünsche geäußert: "Möge der Erinnerungsort, den wir hier eröffnen, ein Ort des Gedenkens aber auch des Nachdenkens sein.

Möge dieser Ort unseren Blick schärfen auf eine Gesellschaft, die Menschen immer noch allzu oft nach Kosten und Nutzen, nach ihrem vermeintlichen Wert oder Unwert bemisst.

Möge dieser Ort die Herzen der Menschen berühren und etwas in ihren Köpfen bewegen und so einen Beitrag leisten zur Gestaltung einer solidarischen und inklusiven Gesellschaft, die niemanden ausgrenzt und Individualität und Vielfalt der Menschen wertschätzt. Eine bessere Form des Gedenkens an die Opfer kann ich mir kaum vorstellen." gesamter Redebeitrag »

Als ich fünf Jahre später - am 30. August 2019 - am selben Ort stand und ein Grußwort sprechen durfte, habe ich gefragt: "Sind meine Wünsche in Erfüllung gegangen?" Meine Antwort: "Ja, hier ist tatsächlich ein Ort des Gedenkens entstanden. Wann immer ich draußen vorbeigehe, sehe ich Menschen, vertieft in die Informationen, häufig mit nachdenklichem Gesichtsausdruck. Es ist zugleich ein Lernort, der Teil einer deutschlandweiten Entwicklung ist. Die Wahrnehmung der „Euthanasie“-Verbrechen im öffentlichen und familiären Bewusstsein hat sich in den letzten Jahren verändert - ein Wandel der Erinnerungskultur, der sich widerspiegelt in zahlreichen Gedenkaktivitäten überall im Land.

Auch immer mehr Angehörige arbeiten die Schicksale ihrer ermordeten Verwandten auf. Ihre Geschichten - Geschichten wie die von Anna - zeigen, wie wichtig es ist, genau hinzusehen, hinzuhören, zu widersprechen und falls nötig zu handeln, wenn Einzelne oder Gruppen nach ihrer Nützlichkeit, ihrem vermeintlichen Wert oder Unwert bemessen werden. Nötiger denn je in Zeiten, in denen nationalistische und rassistische Ideologien an Boden gewinnen!" gesamtes Grußwort »

 

Es gibt kein Verständnis von Gegenwart und Zukunft ohne Erinnerung an die Vergangenheit!

 

Jährliche Gedenkveranstaltungen an der Tiergartenstraße 4

Seit 2007 findet auf Initiative des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener, des "Aktionskreises 'T4'-Opfer nicht vergessen" (ein Zusammenschluss von Verbänden und Organisationen der bundesdeutschen Psychiatrie) sowie des Förderkreises Gedenkort T4 jeweils Ende August/Anfang September eine Gedenkveranstaltung bzw. ein Symposium statt.

Seit 2010 wird auf Initiative des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen jährlich am 27. Januar der Opfer von Zwangssterilisation und "Euthanasie" im Nationalsozialismus gedacht.
     
27. Januar 2016 3. September 2016 31. August 2018

Gedenkveranstaltung T4

Gedenktafel Podiumsgespräch Topographie des Terrors

(c) Foto Kontaktgespräch Psychiatrie

1. September 2018   Begleitprogramm  »  Vorträge DGSP »
Programmflyer »
 

30. August 2019 - Fünf Jahre Gedenk- und Informationsort

 
Gedenkveranstaltung 2019

 Gedenkveranstaltung 2019

Flyer »

Gedenkveranstaltung »

Philharmonie Grusswort Sigrid Falkenstein 2019

(c) Foto Marko Priske /Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Grußwort (S. Falkenstein) 

Videos der Veranstaltung »

 

Nachdenkliches zum neuen Gedenkort von Dr. Hartmut Traub, Neffe eines NS-"Euthanasie"-Opfers
geschrieben anlässlich der Eröffnung im September 2014

"... Die folgenden Deutungsaspekte zur Gestaltung des Denkmals zum Gedenken an die Opfer der NS- „Euthanasie“ sind Resultate meines ganz persönlichen Nachdenkens über die in seiner künstlerischen Gestaltung angelegte Symbolik. Manches lehnt sich an das an, was ich dazu schon gehört und gelesen habe. Meine Sammlung von Denk-Punkten erhebt daher selbstverständlich keinen Anspruch auf Exklusivität. Vielleicht hilft sie aber, bei einem Denkmal von dieser Bedeutung etwas länger gedanklich zu verharren, um über die schnelle Kritik oder die ästhetische Ratlosigkeit hinwegzukommen und dem Ereignis, dessen hier gedacht werden soll, den ihm gebührenden Respekt zu verschaffen. ..." gesamter Text »

Ein Stolperstein für Benjamin Hartmut Traub, Klartext Verlag, Essen 2013

 

Vertiefende Informationen zum Erinnerungsort


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